PD Dr. Dietmar Najock

Geboren 1941 in Leipe (Westpr.), Abitur 1961 in Hann. Münden, Studium der Klassischen Philologie hauptsächlich in Göttingen, Promotion 1970 (»Drei anonyme griechische Traktate über die Musik, eine kommentierte Neuausgabe des Bellermannschen Anonymus«, Göttinger Musikwissenschaftliche Arbeiten 2, 1972), dann Studium der Mathematik in Göttingen und Bielefeld, dort mathematisches Diplom 1978. Seit 1977 Assistent an der FU Berlin (Griechische und Lateinische Philologie), für den Forschungsprojektschwerpunkt »Analyse antiker Texte mit EDV« tätig; in dieser Zeit einige Veröffentlichungen aus dem Bereich der philologischen Datenverarbeitung (Konkordanzen, Sprachstatistik), 1993 Habilitation an der FU (mit »Sprachstatistische Untersuchungen zu den Briefen und Reden des Libanios«, 2000). Nach der Habilitation auch wieder Aufsätze zur antiken und mittelalterlichen Musik: A Canon for Ptolemy (Skutala Moisan 2, 1995), Aristoxenos und die Auloi (in »Worte, Bilder, Töne«, 1996), Das Leierspiel im alten Griechenland (in »The Historical Harp«, 1998), Die Musiklehre des Boethius, Schlußstein der antiken Theorie und Grundstein für das Mittelalter (in »Die sieben Freien Künste in Antike und Gegenwart«, 2006), Zwei Bemerkungen zur antiken Trompete (Philologus 156, 2012), Harfe und Harfenspiel bei den Römern (Jahrbuch für Antike und Christentum 56/57, 2013/2014), Restringing the Daphne Harp (GRMS = Greek and Roman Musical Studies 3, 2015), The Koinḕ Hormasía Re-Interpreted (GRMS 6, 2018), Byzantinischer Tanz zwischen antiker Rhythmik und neuzeitlichen Volkstänzen (Das Mittelalter 23, Heft 2, 2018), Some Improvements for the Restored Hormasía Tables (GRMS 7, 2019).

Vortrag

»Harpa« und »Achilliaca«
bei Venantius Fortunatus

Der älteste Beleg für »harpa« zur Bezeichnung eines Musikinstruments, offenbar aus dem Fränkischen, ist Venantius Fortunatus, Carmina 7, 8, 63/64

Romanusque lyra plaudet tibi, barbarus harpa / Graecus Achilliaca, chrotta Britanna canat.

Dieses Distichon ist schon recht verschieden übersetzt worden (van Schaik 1992, Reydellet 1998, Fel 2006, Maliaras 2007). Meine eigene Interpretation versucht, über lateinische Metrik und Grammatik hinaus auch den historischen Gegebenheiten etwas besser Rechnung zutragen. Danach ist es nicht unwahrscheinlich, dass »harpa« eine Leier bezeichnete (wie ja auch »cythara« bzw. »cithara« in der Antike ein Leierinstrument, im hohen Mittelalter aber die Harfe bezeichnete). Im Falle von »Achilliaca« ist es höchst fraglich, ob überhaupt ein Instrument gemeint ist, m. E. wohl nicht.
Dietmar Najock
Foto: Birgit Ammon-Lassen