Vincent Kibildis

Vincent Kibildis begann seine musikalische Ausbildung an der keltischen Harfe; Kurse bei unter anderen Maeve Gilchrist, Park Stickney und Rüdiger Oppermann erlaubten es ihm, verschiedene musikalische Einflüsse in sein Spiel miteinzubeziehen. Die stetige Suche nach neuen und anderen Ausdrucksweisen führte ihn zur Alten Musik und zur Schola Cantorum Basiliensis, sowie danach zur ESMUC in Barcelona; dort widmete sich dem studium historischer Harfen des 13. bis 17. Jahrhunderts.
Vincent ist festes Mitglied des Ensembles Exquisite Noyse und war Gründungsmitglied des Sollazzo Ensemble. Mit dem Violinenconsort Exquisite Noyse ist er auf der CD »La voce del violino« (2015) mit Instrumentalmusik des 16. Jahrhunderts zu hören. Mit dem Sollazzo Ensemble gewann er unter anderem den ersten Preis der York Early Music International Young Artists Competition 2015; für die CD „En Seumeillant“ wurde das Ensemble mit der Diapason d’or und für „Parle qui veut“  mit der Diapason d’or de l’année (Kategorie Alte Musik) und dem Gramophone Editor’s Choice ausgezeichnet.

Vortrag

Zwischen den Saiten –
chromatische Harfen
im Mittelalter!?

Die diatonische Stimmung der Harfe reicht nicht mehr, Halbtöne müssen her; das stellt Juan Bermudo 1555 in seiner Declaración de instrumentos musicales fest. Einer seiner Lösungsvorschläge für dieses Problem: ganz einfach zusätzliche Saiten aufziehen.
Ist dies die Geburt der chromatischen Harfen? Die überlieferte Musik früherer Jahrhunderte setzt schließlich bereits Chromatik voraus, sei sie explizit notiert oder auch nur durch die Regeln des Kontrapunktes impliziert. Bedeutet dies aber automatisch, dass bereits im Vorfeld zu Bermudos Forderung von 1555 chromatische Harfen zum Einsatz kamen?
In diesem Vortrag werden die Fragen, Probleme und Lösungsansätze rund um das Spannungsfeld »diatonisch–chromatisch« erörtert, mit denen sich ein/e Interpret/in im 21. Jahrhundert konfrontiert sieht. Ein frischer Blick auf Quellen, welche mittelalterliche chromatische Harfen vermuten lassen, vertieft ein Verständnis des vorliegenden Diskurses.
Vincent Kibildis